Migranten in der Personaldienstleistung

Migranten in der Personaldienstleistung: Der Mensch zählt

Sophie Huhn Information Leave a Comment

Der Fachkräftemangel ist akut. Viele Unternehmen setzen auch deshalb auf die Unterstützung von Mitarbeitern aus dem Ausland. Diverse Regularien und bürokratische Besonderheiten holen dann schnell alle Beteiligten und damit auch Sie als Personaldienstleister ein. Was gilt es zu beachten und wie sieht der operative Alltag mit Migranten in der Personaldienstleistung aus? 

Für diese Fragen habe ich zwei Experten an der Hand: Agnes Kolpak, Prokuristin bei BS PartnerServices mit langjähriger Beratungserfahrung für selbstständige Personaldienstleister und Denis Adam, Geschäftsführer und Inhaber von BS Adam.

„Migranten in der Personaldienstleistung: Bei dir eher Ausnahme oder Alltag?“

Agnes Kolpak (AK): Durch die enge BS Partner Betreuung erhalte ich täglich Einblicke in die Mitarbeitereinstellungen am jeweiligen Standort. Gefühlt hat jeder zweite überlassene Mitarbeiter einen Migrationshintergrund – sie gehören also definitiv zum Alltag.

Denis Adam (DA): Auch für uns sind Migranten als Mitarbeiter alltäglich. Etwa die Hälfte unserer Bewerber sind Migranten. Mit ausgeglichenem Verhältnis von EU-Migranten und Nicht-EU-Migranten. 

„Wie hat sich die Zahl von Migranten in der Personaldienstleistung in den letzten Jahren entwickelt?“

AK: Die Zahl der Nicht-EU Migranten ist in der Personaldienstleistung deutlich gestiegen, die der EU-Migranten gleichgeblieben. Im alltäglichen Geschäft fallen mir Letztere auch nicht auf, denn für EU-Migranten läuft der Einstellungsprozess analog zu dem eines Deutschen ab. 

DA: Aus meiner Sicht ist die Zahl stark gestiegen. Besonders nach dem EU-Beitritt von Kroatien und durch die Flüchtlingskrise ist ein deutlicher Aufschwung zu spüren.

Denis Adam – seit 2015 erfolgreicher Inhaber von BS Adam in Stuttgart. Seine freie Zeit verbringt er mit Freunden und Familie.

„Was genau ist bei der Anstellung von Migranten auf rechtlicher/formeller Ebene besonders?“

AK: Bei EU-Bürgern läuft der Prozess genauso ab wie bei Deutschen. Bei Nicht-EU Bewerbern prüfen wir vorab, ob diese in Deutschland arbeiten dürfen. Der Aufenthaltstitel ist hier das wichtigste Dokument. Oft warten die Bewerber zum Zeitpunkt ihrer Anstellung bei unseren BS Partnern noch auf dieses Dokument, das sie bei der Bundesagentur für Arbeit oder bei der Ausländerbehörde schriftlich beantragen müssen. 

DA: Agnes ist da die Expertin. Mir fällt als Ergänzung noch ein, dass die Papiere (Aufenthaltstitel und Arbeitserlaubnis) alle 1-3 Jahre erneuert werden müssen. Das haben unsere Nicht-EU Mitarbeiter idealerweise „auf dem Schirm“ – wir haken zur Sicherheit ansonsten auch nochmal nach. Schließlich möchten wir aus so einem Grund keinen Mitarbeiter verlieren! 

„Welche Herausforderungen gibt es sonst?“

AK: Das wichtigste Thema ist die Sprache. Verträge und bspw. Infos zum Arbeitsschutz müssen verstanden werden. Teilweise kommen die Bewerber dafür mit Übersetzern in die Gespräche mit unseren Personalberatern. 

DA: Verständigung ist ein wichtiger Punkt. Deshalb vermitteln wir nur Bewerber, die die deutsche Sprache angemessen verstehen und sich mit dem Kunden verständigen können. Bei kurzfristigen Projekten kann es jedoch durchaus sein, dass Bewerber mit geringeren Deutschkenntnissen zum Zuge kommen. Hier achten wir darauf, dass in der Firma andere Mitarbeiter oder Vorgesetzte sind, die die Muttersprache des Bewerbers sprechen und so ggf. dolmetschen können. 

„Wo liegt deiner Meinung nach die größte Herausforderung bei der Einstellung von Migranten in der Personaldienstleistung?“

AK: Die erhöhte Zeitkomponente bei der Anstellung, verursacht zum Beispiel durch die zusätzlich benötigte, rechtsanwalterische Absicherung in spezifischen Fällen oder durch das Warten auf benötigte Papiere zur Einstellung des Bewerbers. 

DA: Die Einstellung von Migranten und Deutschen ist für uns dasselbe. Wir fokussieren uns auf die Qualität der Bewerber. Dabei kommt es uns darauf an, dass wir den Bewerber finden, welcher am besten auf die Stelle des Kunden passt. Nationalität oder Kultur sind hier egal. 

Agnes Kolpak – seit 2010 zuständig für Beratung, Prozesse & Training bei PartnerServices. In ihrer Freizeit ist sie im Fitnessstudio oder beim Wandern zu finden.

„Wie bereite ich mich am besten auf den Einstellungsprozess vor?“

AK: Die rechtzeitige Prüfung, ob alle geforderten Dokumente vorliegen, ist das A und O. Es gibt von der Arbeitsagentur viele Merkblätter in verschiedenen Sprachen, die den Einstellungsprozess für den Bewerber detailliert erklären und ihn damit für alle Seiten erleichtern.

DA: Genauso wie auf jede andere Einstellung. Gleicher Job, gleiche Arbeit, gleiche Bezahlung. Der Bewerber muss uns einfach von sich überzeugen, die Qualifikation ist entscheidend für die anschließende Einstellung. Diese Devise gilt auch für unser multikulturelles, internes BS Adam Team. 

„Wie stehen eure Kunden (die lokalen Unternehmen) der Einstellung von Migranten gegenüber?“

AK: Da ich bei BS PartnerServices auf den Bereich der Lohnbuchhaltung innerhalb der BS Gruppe spezialisiert bin, habe ich vorwiegend Kontakt mit den BS Partnern. Anhand der vielen Lohnabrechnungen, die über meinen Tisch laufen, habe ich den Eindruck, dass die Kunden offen gegenüber Migranten als Mitarbeiter sind. Vor allem durch den Fachkräftemangel sind viele Unternehmen froh über qualifizierte Mitarbeiter aus dem Ausland. In der Hinsicht sind Migranten für unser Land eine oft unterschätzte Bereicherung!

DA: Bewerber müssen mit ihren Qualifikationen zum Unternehmen passen und durch Leistung überzeugen. Deshalb ist es auch aus Sicht der Unternehmen gleich, ob der Bewerber Deutscher oder Migrant ist. Bei langfristigen Überlassungen muss lediglich gewährt sein, dass die Migranten fit in der deutschen Sprache sind. 

„Wie ist deine Erfahrung insgesamt mit Bewerbern mit Migrationshintergrund? Wie sieht das Fazit sowohl aus Unternehmens- (Kunden-) als auch aus Bewerbersicht aus?“

AK: Die Migranten sind meist dankbar, über die Personaldienstleistung schnell und einfach Arbeit zu finden. Außerdem schätzen diese unsere Unterstützung bei rechtlichen Angelegenheiten im Bewerbungsprozess. In dem Sinne ist die Einwanderung für den Arbeitsmarkt und die Migranten selbst ein Gewinn. 

DA: Wir haben eine enge, persönliche Beziehung mit unseren Kunden und den Unternehmen. Dadurch schaffen wir es, den perfekten Bewerber für die ausgeschriebene Stelle zu finden und beide Seiten zufriedenstellen zu können. Das erhöht die Chance auf langfristige Beschäftigungen oder sogar Festanstellungen. Ich stimme Agnes also komplett zu: Migration bedeutet hier Gewinn für beide Seiten. Letztendlich zählt auch auf dem Arbeitsmarkt immer der Mensch mitsamt seiner Fähigkeiten – ganz gleich welcher Nationalität er sein mag.

 
Assistentin Marketing & Training

Als Assistentin im Marketing bin ich in den Tiefen von Social Media unterwegs – ob in Blogs, Facebook oder Xing. Zum Leitwesen meiner Kollegen findet ihr mich im Büro meistens mit der Kamera in der Hand auf der Suche nach einer Facebook tauglichen BS Story. In meiner Freizeit geht’s meist sportlich her – im Fitnessstudio oder beim Bouldern kann ich abschalten.

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